Luther ABC - E  

Stichwort: Eltern


Luther Portrait

„Mein Vater ist in seiner Jugend ein armer Häuer gewesen, die Mutter hat all ihr Holz auf dem Rücken getragen, damit sie uns Kinder erziehen könnte. Sie haben es sich lassen blutsauer werden. Mein Großvater und mein Urgroßvater sind rechte Bauern gewesen.“, so Martin Luther über seine Herkunft. Luthers Vorfahren sind über Generationen erbzinspflichtige Bauern im Dorf Möhra am Westrand des Thüringer Waldes gewesen, doch sein Vater Hans Luder (1458-1530) musste als ältester Sohn den Hof seinem jüngeren Bruder überlassen, arbeitete seit 1484 als Bergmann und konnte sich schließlich an Kupfererz-Genossenschaften beteiligen. Er kam zu Wohlstand, so dass die Familie bereits 1491 zu den angesehensten der Stadt Mansfeld gehörte. Auch deshalb hatte er große Pläne mit seinem zweitgeborenen Sohn Martin. Dieser sollte Jura studieren und in die Schicht der hohen Juristen aufsteigen. Martin Luther litt lange unter Schuldgefühlen über die Enttäuschung, die er seinem Vater durch seinen Eintritt ins Kloster bereitete, zumal dieser nichts von Pfarrern und Mönchen hielt.

Die Mutter Margarethe (1459-1531), geborene Ziegler, stammte möglicherweise aus einer reicheren Bauernfamilie bei Möhra und wird als ängstlich und bescheiden und zugleich als strenge Erzieherin beschrieben. Eine von Schreckbildern erfüllte Religion verbunden mit einer unnachsichtig strengen Erziehung haben Luthers Kindheit und Glaubenshaltung geformt. „Man soll die Kinder nicht zu hart stäupen [auspeitschen, züchtigen]. Mein Vater stäupte mich einmal so sehr, dass ich vor ihm floh und dass ihm bange war, bis er mich wieder zu sich gewöhnt hatte.“ Und: „Meine Eltern haben mich in strengster Ordnung gehalten, bis zur Verschüchterung. Meine Mutter stäupte mich um einer einzigen Nuss willen, bis Blut floss. Und durch diese harte Zucht trieben sie mich schließlich ins Kloster; obwohl sie es herzlich gut meinten, wurde ich dadurch nur verschüchtert. Sie vermochten das rechte Verhältnis zwischen natürlicher Anlage und Bestrafung nicht einzuhalten. Man muss so strafen, dass der Apfel bei der Rute ist.“ Die Angst vor der Härte der Eltern, die Furcht vor den grausamen Strafen der Schulmeister hat Luther sein Leben lang nur schwer überwunden. Später hat sich Martin Luther mit seinem Vater ausgesöhnt, der inzwischen stolz auf den berühmten Sohn war. Mit seiner Heirat 1525 hat Luther – neben vielen anderen Gründen – auch einem Wunsch seines Vaters entsprochen, der nach dem Tode seiner beiden anderen Söhne hoffte, Martin möge heiraten, um den Namen zu erhalten.

Renate Dopheide

 

  Lutherkirche Kiel